• "Why fall in love with life, if I´m gonna marry death?"

Initiative 2 : Rehabilitation

Kurzbeschreibung

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Detaillierte Beschreibung dieses Teils des Projektes

Am 10. Dezember 2012 haben wir ein Pilotprojekt in einem der größten Männergefängnisse Guatemalas durchgeführt: Einen „Tag der Freude und der mentalen Gesundheit“. Finanziert wurde dieser vom Jugendtreff KAOS Klausen (mit 300 €). Dabei wurden 7 kreative Workshops (Malerei, Recycling, Poesie, Percussion, Zirkus, Theater und Bücher binden) veranstaltet, die den jungen Männern eine Auszeit von der tristen Gefängnisrealität und einen Ort des sozialen Austausches und des gegenseitigen Lernens bieten sollten. Das Pilotprojekt lief sehr gut. WorkshopleiterInnen und Teilnehmer sprechen heute noch von diesem Tag. Wir möchten diesen Tag nun zweimal pro Monat anbieten, damit die Insassen bei ihrer Rehabilitation unterstützt werden und ihre Resozialisierung gefördert wird. In Zukunft möchten wir einen Workshop hinzufügen: Breakdance und Rap. Zusätzlich zu diesen „Tagen der Freude und der mentalen Gesundheit“ werden wir ab Juli 2014 erstmals für 10 Insassen auch eine Berufsausbildung zum Schneider in Form eines zwei mal wöchentlich stattfindenden Kurses anbieten (Laufzeit: 1 Jahr). Für eine  erfolgreiche  Rehabilitation  ist nämlich nicht  nur  die  Aneignung  sozialer  Kompetenzen  notwendig,  sondern  auch  ein  Ausblick  die  Möglichkeit,  in  Freiheit  einen „ehrlichen“ Beruf ausüben zu können. Viele der jungen Insassen haben keinen Schulabschluss, und die meisten haben nie einen Beruf erlernt
 

“Alegria y Salud Mental para la Rehabilitation: Dias de Alegria y Salud Mental”
(Tage der Freude und der psychischen Gesundheit)

Was bisher geschah:

Am 10. Dezember 2012 wurde von AMIKARO eine Pilotveranstaltung für diese Initiative durchgeführt: Dabei nahmen 180 Insassen an einem Vormittag an sieben Workshops (Malen, Poesie, Percussion, Recycling, Theater, Zirkus, Bücher binden) teil. Am Nachmittag fand eine Art Festival statt, im Rahmen dessen alle ihre neu erlernten Fähigkeiten vorstellen konnten. Rund 500 Gefängnisinsassen, Wärter und Wärterinnen, sowie die Gefängnisdirektion nahmen an der Vorstellung teil. Dieser Tag wurde vom Jugendtreff KAOS Klausen mit einer Spende von 300 Euro unterstützt (alle WorkshopleiterInnen haben an der Pilotveranstaltung unentgeltlich teilgenommen!).
Dieser Art der Initiative ist eine vollkommen neue Art der Rehabilitation in guatemaltekischen Gefängnissen und wurde von beiden Seiten, also WorkshopleiterInnen, sowie Insassen mit großer Freude durchgeführt.

Zum Kontext:

Das Gefängnis Pavón ist eines der größten Gefängnisse Guatemalas. Die Insassen können sich hier zwischen 5 Uhr früh und 5 Uhr abends frei innerhalb der Gebäude und auf einem Freigelände bewegen. Ungefähr 1750 Insassen leben hier auf einem Raum der für 700 geplant und erbaut wurde. Die meisten Menschen hier müssen längere Haftstrafen absitzen und sind bereits verurteilt (in vielen anderen Gefängnissen sitzen Menschen manchmal jahrelang ohne je verurteilt worden zu sein). Im Gefängnis sind auch ca. 350 sogenannter „mareros“, junge Männer die den sog. Maras angehören: brutale Gangs aus den „roten Zonen“ die für Geld erpressten und mordeten.

Es ist wichtig diesen jungen Männern Alternativen zu bieten, ihnen zu zeigen was Zusammenleben und Gemeinschaft bedeutet und auch, was es bedeutet manchmal glücklich zu sein. Einigen fallen bereits die einfachsten und für uns selbstverständlichen Dinge schwer, wie: Guten Morgen sagen, oder jemandem danach fragen wie es ihm oder ihr geht. Sie selbst haben solche Aufmerksamkeiten oft nie erfahren. Diese Workshops können ihnen deshalb helfen, einfache gesellschaftliche Umgangsformen auf eine kreative Weise zu erlernen: Wie respektiere ich andere? Wie arbeite ich in einer Gruppe? Wie drücke ich mich aus?

Aktivität 1: Workshops im Gefängnis

Zweimal im Monat möchten wir in diesem Gefängnis Workshops anbieten, die den Insassen sowohl bei ihrer Rehabilitation helfen, als auch ihre Resozialisierung fördern sollen.

Wir bieten dazu folgende Workshops an: Malerei, Poesie und Rap, Bücher binden, Recycling, Percussion, Zirkus, Theater, Breakdance. Die WorkshopleiterInnen kommen (fast) alle selbst aus den „roten Zonen“ und kennen die Realität der Insassen sehr gut. Einige von ihnen waren früher selbst Straßenkinder oder haben viele andere Dinge durchmachen müssen, jedoch habe sie einen Ausweg aus dieser schwierigen Situation gefunden ohne kriminell zu werden und möchten dies nun auch anderen ermöglichen bzw. aufzeigen wie dies möglich ist. Die WorkshopleiterInnen sollen deshalb auch für ihre Mühen entlohnt werden. Amikaro bietet ihnen 20 Euro für einen Workshoptag im Gefängnis an. Zusätzlich zu den Personalkosten für die Workshops fallen Materialkosten an. Vor allem in den Kursen für Malerei (Farbe und Papier), Bücher binden (Fäden, Nadeln, Papier, Karton), Recycling (Kleber und anderes), Zirkus (Eigenanfertigung von Requisiten innerhalb des Workshops) und Percussion (Eigenanfertigung von Musikinstrumenten innerhalb des Workshops) fallen solche Kosten an.
Was bringen diese Workshops den Insassen des Gefängnisses? Sie sollen lernen in Gruppen zu arbeiten, miteinander umzugehen, Vertrauen in sich selbst zu haben. Sie sollen sehen, dass es Menschen außerhalb des Gefängnisses gibt, die an sie glauben, und die sie wie normale Menschen behandeln. Das Gefängnis soll ein Ort sein, an dem sie die Möglichkeit und Zeit haben über ihre Vergangenheit nachzudenken und an dem sie beginnen über eine mögliche Zukunft nachzudenken. Wir wollen sie dabei unterstützen. Und wir wollen sie für einen Moment aus ihrem Leben voller Depression und Hass holen und ihnen zeigen, dass es andere Dinge im Leben gibt, für die es sich lohnt sich einzusetzen.

Innerhalb 12 Monate sollen 24 Workshop-Tage durchgeführt werden. Die Workshops bieten dabei jeweils insgesamt pro Tag Platz für 100 Insassen.

Ziel: Die Insassen lernen miteinander in Kontakt zu treten und sich innerhalb der Workshops weiterzuhelfen. Nach Beendigung der Workshops sollen sie als Multiplikatoren im Gefängnis dienen und eventuelle Kurse selbst anbieten können.

Da das Gefängnisessen von extrem schlechter Qualität ist, soll es an den Workshoptagen außerdem ein reichhaltigeres Essen geben. Das Essen wird von anderen Häftlingen im Gefängnis selbst zubereitet. Kostenpunkt für ein warmes Mittagessen mit Getränk ist 15 GTQ. Versorgt werden müssen ungefähr 108 Menschen pro Workshop-Tag.

Um den Transport aller WorkshopleiterInnen sowie der Materialien von der Stadt zum Gefängnis, welches mehrere Kilometer außerhalb liegt, und wieder zurück zu gewährleisten, muss für die 24 Workshoptage jeweils ein Bus angemietet werden


Aktivität 2: Berufsbildung: Schneiderkurs

Für Insassen, die sich im Rehabilitationsprogramm von Aktivität 1 befinden, wird außerdem eine Berufsausbildung zum Schneider angeboten. Für eine erfolgreiche Rehabilitation ist nicht nur die Aneignung sozialer Kompetenzen notwendig, sondern auch ein Ausblick die Möglichkeit, in Freiheit einen „ehrlichen“ Beruf ausüben zu können. Viele der jungen Insassen haben keinen Schulabschluss, und die meisten haben nie einen Beruf erlernt.

Daher möchten wir folgendes anbieten:
Zwei Schneiderkurse für je 5 Personen zwei Mal pro Woche zu je 2 Stunden, bei dem ein Insasse selbst als Lehrer fungiert (diese Person war vor der Verhaftung bereits als Schneider tätig und besitzt auch innerhalb des Gefängnisses eine Schneiderei).

Wie viele Menschen profitieren davon? 10 Insassen, die im Laufe eines Jahres ausgebildet werden., sowie ein Insasse, der als Lehrperson fungiert Was wird benötigt? 5 Nähmaschinen und Materialien, wie Stoffe, Fäden, Knöpfe, etc.

Dieser Workshop ist auch besonders wichtig für die Unabhängigkeit der Teilnehmer und für die Nachhaltigkeit des Projektes. Die geschaffenen Dinge können später weiterverkauft werden und der Workshop kann sich damit selbst finanzieren.

In weiterer Folge kann, aufbauend auf diesen ersten Schritt, ein Raum in der Stadt angemietet werden, in dem ehemalige Häftlinge Schuluniformen oder Kleidung für den fairen Handel produzieren können und damit ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

 
 

 

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