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Guatemala: Hintergrundinformationen zum Projekt

Hauptstadt: Guatemala City

Fläche: 108.889 km

Bevölkerung: 15,5 Millionen (2013)

Sprachen: Spanisch, 21 verschiedene Mayasprachen, Xinca, Garifuna;

Währung: Quetzal (10 Quetzales sind ca. 1 Euro)

Staats- und Regierungsform: Präsidialrepublik seit 1986, Parlament mit 158 Mitgliedern, Direktwahl des Staatsoberhauptes alle vier Jahre

Staatsoberhaupt: Präsident Otto Pérez Molina (ehemaliger General), Amtsantritt 14. Januar 2012, Partido Patriota (Rechtspopulistische Partei), keine Wiederwahl möglich. Vizepräsidentin ist Roxana Baldetti, Amtsantritt 14. Januar 2012

Analphabetismus: insgesamt 69.1%; Männer 63.3%, Frauen 75.4%

Armut (UNDP): 53,71% der Bevölkerung leben in Armut (Einkommen unter Q 540 oder 54 Euro pro Person pro Monat) davon 13,33% in extremer Armut (Einkommen unter Q 264 oder 26 Euro pro Person pro Monat). Landbesitz: 2% der Bevölkerung besitzen 65% der landwirtschaftlich genutzten Fläche (Stand: 2008)

Bruttoinlandsprodukt: 50,4Mrd US-$ (2012)

Lebenserwartung: 71,46 Jahre (2011). Männer: 69,56 Jahre; Frauen: 73,45 Jahre

Einkommensverteilung: 62,1 % der nationalen Einkünfte entfallen auf 20% der Bevölkerung; die ärmsten 20% der Bevölkerung beziehen nur zu 2.4% der Einkünfte

Wichtigste Exportprodukte: Kleidung, Kaffee, Zucker, Bananen, Kardamon, Früchte

Wichtigste Importprodukte: Maschinen, Textilien, Transportmittel, chemische Erzeugnisse

Guate


Guatemala liegt in Zentralamerika. Es grenzt im Norden und Nordwesten an Mexiko, im Osten an Belize und das Karibische Meer, im Südosten an Honduras und im Süden an El Salvador. Südwestlich von Guatemala liegt der Pazifische Ozean. Guatemala besitzt eine vielfältige lokale Kultur, ein Produkt des Maya-Erbes und des Einflusses der spanischen Kolonialzeit, weshalb es heute ein multikulturelles, mehrsprachiges und multiethnisches Land ist.

Gegenwärtig leben circa 15 Millionen Menschen in Guatemala. Die "Indigínas", wie sich die Nachfahren der Maya nennen, machen heute etwa 60% der Bevölkerung Guatemalas aus. Je nach Landesregion sprechen sie eine der 21 Sprachen und haben Spanisch - wenn überhaupt - häufig nur als Zweitsprache gelernt. Anders als die Ladinos (Mestizen späterer Generationen), die einen westlichen Lebensstil anstreben, haben sich die Indíginas auch nach fünf Jahrhunderten massiver Einflüsse durch die Europäer viel von ihrer traditionellen Kultur bewahrt.

Durch massive Binnenmigration in die Hauptstadt und die dort aufgrund des kulturellen Hintergrundes erlebte rassistische Stigmatisierung sind die Maya-Kultur, ihre Sprachen und Traditionen in der Hauptstadt jedoch stark beeinträchtigt worden. Viele Eltern geben ihren Kindern die Traditionen nicht mehr weiter, die traditionelle Kleidung wird nicht mehr aufbewahrt und Sprache nicht mehr gepflegt. Manche Kinder wissen gar nichts über ihre Abstammung und bezeichnen sich automatisch als Ladinos, obwohl schätzungsweise 60% der Einwohner der Slums der Hauptstadt einen indigenen Hintergrund haben.

Die nationale Die Armutsquote lag im Jahr 2011 bei ca. 54%, was bedeutet, dass noch immer mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Armt lebt. Die Armut spiegelt sich vor allem im fehlenden Zugang zu Bildung, Gesundheit, Kultur, Arbeit und mangelnden Infrastrukturen wieder.


In Guatemala tobte von 1960 bis 1996 ein Bürgerkrieg, welcher vor allem in den 1980er Jahren ausartete und in einem Genozid an der Maya-Bevölkerung gipfelte: Mehr als 660 Massaker durch das Militär, ebenso viele vernichtete Dörfer, 200.000 Tote, 20.000 Vermisste, eine Million Flüchtlinge und letztlich eine vollständig traumatisierte Bevölkerung sind die Bilanz der Terrorregime von Lucas García (1978-1982) und Ríos Montt (1982-1983). Einen zusätzlichen Keil in die Familien und die gesamte guatemaltekische Gesellschaft trieb auch die Gründung von sog. PAC (Patrullas de AutodefensaCivil), die 1981 von den Regierungstruppen von Guatemala eingeführt wurden. Dies stellt bis heute einen Grund für die Gespaltenheit der guatemaltekische Gesellschaft dar. Mit dem Einsatz der PAC wurde einerseits versucht, die Gemeinden vor dem Eindringen der Guerilla zu verschließen und andererseits zu ermitteln, wo sie präsent war. Dabei wurden die Mitglieder der PAC zu Spitzeln ihrer eigenen Familien und Freunde, wodurch das Vertrauen zwischen Personen in den Gemeinden gebrochen wurde. Obwohl die PACs in ihrer früheren Form heute nicht mehr existieren gibt es viele Zusammenschlüsse ehemaliger PACs, und ähnliche neue Gruppierungen, die ihre Dörfer oder urbanen Zonen vor „Kriminellen“ schützen wollen und Selbstjustiz üben, z.B. die „Ángeles Justicieros“ am Busbahnhofsgelände in Guatemala Stadt. Außerdem ist ein Anstieg von Lynchmorden zu verzeichnen, der von 14 im Jahr 2012 auf 36 im Jahr 2013 anstieg.


Der Einfluss (ehemaliger) Militärs in politischen Strukturen, aber auch in der inneren Sicherheit hat sich seit Regierungsantritt des ehemaligen Kaibil (Eliteeinheit des Militärs) Generals Otto Pérez Molina und seinem Partido Patriota im Jänner 2012 wieder verstärkt. Seine Beteiligung an Verbrechen während des Bürgerkriegs ist bekannt: Er war Kommandant des Militärstützpunktes in Nebaj, Quiche Anfang der 1980er Jahre, und soll an militärischen Verbrechen beteiligt gewesen sein.Seit 2012 militarisiert er das Land nun wieder massiv, neue Militärstützpunkte und Camps im ruralen sowie auch im urbanen Guatemala wurden errichtet. Diese dienen vordergründig vor allem der Bekämpfung von zwei offiziellen Staatsfeinden: Drogenkartelle und Jugendgangs.

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Die staatliche Repression hat jedoch bereits unter der Vorgängerregierung (und dereigentlich gemäßigten Partei UNE) mit Militarisierung, Ausnahmezuständen und Vertreibungen begonnen, nun jedoch extrem zugenommen. Widerstand gegen Megaprojekte internationaler Konzerne (v.a. Wasserkraftwerke, Minen und Monoplantagen) wird kriminalisiert. 2012 gab es ein Massaker an indigenen DemonstrantInnen in Totonicapán, die gegen die überhöhten Strompreise und die Reformder LehrerInnenausbildung demonstrierten, in dem sechs Demonstranten von Soldaten erschossen wurden. Des Weiteren werden Jugendgruppen und ihr Aktivismus gegen Gewalt und Ungleichheit kriminalisiert. Jugend wird verantwortlich gemacht für die Gewalttaten und die hohe Anzahl an Tötungsdelikten. Öffentliche Veranstaltungen von Jugendgruppen werden oftmals militärisch überwacht und immer wieder Häuser militärisch durchsucht. Es gibt eine hohe Dunkelziffer sozialer Säuberungen, die vor allem durch staatliche Einheiten in zivil oder von sog. Todesschwadronen durchgeführt werden. Viele junge Menschen schreiben diesen Gruppen die Mehrzahl der Tötungsdelikte zu, die Menschenrechtsorganisation CALDH schreibt sogar 80% der Morde an Jugendlichen sozialer Säuberung zu, da viele durch Kopfschüsse oder sog. „Gnadenschüsse“, (tiro de gracia) und gefesselte Hände und Füße gekennzeichnet sind.

Alltagsgewalt

Die Alltagsgewalt in Guatemala ist eine der höchsten weltweit. Im Jahr 2013 starben mindestens 5.259 Menschen, davon 525 Frauen (2012 waren es 5193, davon 465 Fälle an Femizid) einen gewaltsamen Tod. Normalerweise müssen diese Zahlen nach oben hin noch korrigiert werden, da viele Menschen zusätzlich als vermisst gelten und ihre Leichen oft erst Wochen oder Monate nach dem Delikt gefunden werden. Momentan bedeutet diese Ziffer, dass in Guatemala im Durchschnitt 15 Morde pro Tag begangen werden. Davon ca. 81% mit Schusswaffen.

Guatemaltekische Jugendliche sind Gewalt besonders ausgesetzt. Die UNDP stellt fest, dass die Hälfte aller Mordopfer in Zentralamerika jugendliche Männer zwischen 15 und 29 Jahren sind und nennt dafür zwei besondere Faktoren: soziale Ausgrenzung und die fehlende Möglichkeit zur Formung einer persönlichen Identität (und somit auch Selbstbewusstsein). Die Anzahl der Tötungsdelikte von Jugendlichen zwischen 15 und 24 ist laut UNDP die vierthöchste der Welt.

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Jugendbanden

Gangs, oder so genannte pandillas oder maras, sind kein neues Phänomen in Guatemala, allerdings hat die aktuelle Brutalität der Banden in Guatemala erst seit Anfang der 2000er Jahre stark an Intensität gewonnen. Die wichtigsten Banden sind heute: Barrio 18 (18th Street Gang), Mara Salvatrucha (MS13) und White Fence (Cero Blanco, WF13).

Viele der Jugendlichen treten bereits im Alter von 12 Jahren der Bande bei. Die meisten stammen aus stark zerrütteten und sehr armen Familien. Die Bande bietet ihnen Sicherheit vor familiärer Gewalt sowie Geborgenheit, Geld, und Macht. Dinge, für die manche Jugendliche alles tun würden. Deshalb ist es besonders wichtig, diesen gefährdeten Jugendlichen eine Alternative zum Eintritt in die Banden zu bieten. In den letzten Jahren haben sich Jugendorganisationen als größte und wirkungsvolle Maßnahme herauskristallisiert. Auch ehemalige Bandenmitglieder haben dadurch auch vielfach bereits eine zweite Chance auf ein Leben außerhalb der Kriminalität erhalten.

Jugendbanden oder sog. Maras werden hauptsächlich verantwortlich gemacht für Tötungsdelikte in urbanen Gegenden und die Gewalt in der Gesellschaft generell . Und obwohl diese Banden eindeutig gewalttätig sind, sind sie jedoch nicht allein verantwortlich für eine Kultur der Gewalt oder Straflosigkeit. Die PNC (PoliciaNacionalCivil) behauptet, dass mindestens 65% der Tötungsdelikte in den Verantwortungsbereich der Banden fällt. Viele Menschenrechtsorganisationen jedoch behaupten, dass diese Zahl vollkommen irreführend ist. Auch die Weltbank schreibt 2011 in einem Bericht (Crime andViolence in Central America: A Development Challenge), dass Jugendbanden für nur etwa 15% aller Tötungsdelikte verantwortlich sind.


Guatemala-Stadt ist die größte mittelamerikanische Metropole mit über 3,2 Millionen Einwohnern in der Metropolregion im Jahr 2012 (INE 2013). Sie ist das wirtschaftliche sowie politische, kulturelle und gesellschaftliche Zentrum des Landes. In den letzten Jahren hat sich die Stadt zu einem Symbol für urbane Gewalt, nicht nur im Bezug auf Kleinkriminalität, sondern vor allemauf Totschlag, entwickelt. 2009 wurde Guatemala Stadt als „zweit-tödlichste“ Großstadt der Welt (nach Caracas, Venezuela) angeführt, mit einer Mordrate von 118,5 pro 100.000 Einwohner (UNODC 2011).

Die „Slums“am Stadtrand werden durch kleine Gassen geprägt, die an Hunderten von einstöckigen Häusern vorbeiführen, meist aus Wellblech, und nur gelegentlich aus Beton gebaut. Zahlreiche Häuser sind auf steile Hügel gebaut, wovon einige keinen Anschluss an Trinkwasser oder Elektrizität haben. Viele Häuser sind nicht registriert und besitzen keine Adresse, andere sind aufgrund von Schutzgelderpressungen durch Banden verlassen worden. Die wenigen Grünflächen sind nicht nutzbar, da sie, durch die fehlende Müllentsorgung, mit Abfall bedeckt sind. Viele Jugendlichebeschweren sich darüber, dass das Transportsystem schlecht ausgebaut und überteuert ist, die Schulen nur Grundschulbildung anbieten und die Gesundheitszentren selten oder gar nicht in Betriebsind. Diese unzureichenden Basisdienstleistungen und die fehlende Infrastruktur haben Folgen wie z.B. hohe Analphabeten-Quoten und die weit verbreitete Unterernährung in den betroffenen Vierteln. Auch die Arbeitslosenraten in den Vierteln sind sehr hoch, was wiederum zu häufigerTätigkeit im informellen Sektor und einer Zunahme der Kriminalität führen kann. Hinzu kommen noch daraus resultierende Probleme wie Alkoholismus, Drogenabhängigkeit und ein hohes Maß an geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt.

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Wo wir arbeiten:

Der Bereich von Villa Lobos, Mezquital und Umgebung gilt als eine der problematischsten und gefährlichsten Gegenden der Metropole, hier kommen bereits seit Beginn der 1980er Jahre Menschen aus verschiedenen Teilen Guatemalas zusammen. Die meisten von ihnen emigrierten aufgrund des Erdbebens von 1976 und des internen bewaffneten Konflikts aus dem Landesinneren.Dieser Sektor der Stadt umfasst einen Bereich von mindestens 42 Siedlungen, viele davon wurden ohne Baugenehmigung errichtet. Auf dieser insgesamt rund 5km² großen Halbinsel leben nach Schätzungen der Gemeinde Villa Nueva ungefähr 500.000 Menschen. Hier gibt es einen großen Mangel an grundlegenden Infrastrukturen und Dienstleistungen (Strom, Wasser, sanitäre Anlagen, Bildungseinrichtungen, uvm), und es gibt wenig Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche und kaum Initiativen zur Gemeindeentwicklung. Außerdem sind Programme und Aktivitäten in den wichtigen Bereichen der Förderung von Kunst und Kultur sowie zur Förderungder Beteiligung Jugendlicher am öffentlichen Leben selten, obwohl es in den letzten 5 Jahren in diesem Bereich auch Fortschritte gegeben hat da verschiedene Jugendgruppen gegründet wurden, die auf die Förderung der Kunst in Kombination mit Kultur, Bürgerbeteiligung und Gewaltprävention ausgerichtet sind (wie z.B. „JoVi“).Abgesehen davon, dass die Jugend gegen die oben genannten Probleme ankämpfen muss, ist sie auch der Militarisierung der Gemeinden, der politischen Unterdrückung durch den Staat, sowie Stigmatisierung, Diskriminierung und Kriminalisierung (vor allem im Bezug auf ihre Kleidung und Sprache) ausgesetzt. Weiteres wurden in den letzten Jahren auch zahlreiche öffentliche Einrichtungen und Erholungsräume geschlossen und/oder für andere Zwecke genutzt.

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