• "Why fall in love with life, if I´m gonna marry death?"

Serie: Wir sind Guatemala! Teil 1: Ich bin Linda!

Linda, eine Freiwillige der Jugendgruppe „Jóvenes por la Vida“, stellt sich vor:

"Ich bin Linda!"

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„Ich bin Linda. Ich bin Theaterstudentim an der Hochschule für Künste der Universität San Carlos von Guatemala und Teil der Gruppe Jóvenes por la Vida (JoVi; dt. Jugendliche für das Leben“), in Villa Lobos I, Zone 12 von Villa Nueva, Guatemala. Ich widme mich hauptsächlich der Förderung von Kunst im Allgemeinen, aber ich spezialisiere mich vor allem auf Tanz und Theater. Das Ziel, das ich habe, und das wir alle in der Guppe teilen, ist unsere Mitmenschen zu sensibilisieren, öffentliche Räume wiederzubeleben, für uns zu gewinnen und diese Orte zu transformieren und Gemeinschaftsleben zu promoten.
Ich bin 20 Jahre alt und fühle, dass die Gruppe Teil meines Lebens ist („Sie ist meine Familie“).
Ich habe mich der Gruppe angeschlossen als ich 15 Jahre alt war, damals haben sie mich eingeladen zu singen. Mir haben die Aktivitäten der Gruppe sehr gefallen, deshalb wollte auch ich Teil der Gruppe werden. So hat mein künstlerisches Leben begonnen. 

 Am Anfang habe ich mir gedacht, dass man verrückt sein muss, um Künstlerin zu sein; klar, zum Teil ja. Linda KostümJóvenes por la Vida hat mir die Türen geöffnet: Zuerst habe ich gelernt auf Stelzen zu laufen, Gesichter zu bemalen, die Straßen für uns einzunehmen, und wie verrückte durch die Straßen zu tanzen.
Manchmal habe ich, wie jede/r Jugendliche, Konflikte mit meiner Familie, wie z.B. die Erlaubnis zu erhalten irgendwo mitzumachen oder etwas außerhalb des Hauses zu unternehmen. Ich hatte Konflikte mit meiner Familie. Mein Vater war ein Macho. Ich denke er wollte einen Jungen als erstes Kind, aber wie meine Oma sagt, ich war eine Mischung aus Mann un Frau. Sie haben mich wie einen Jungen gekleidet, aber das wollte ich nicht. Mein Vater entwickelte so etwas wie einen Hass gegen mich und er versuchte mich zu vergewaltigen als ich 6 Jahre alt war.
Als ich in die Gruppe eingetreten bin, habe ich es schnell geschafft mich zu integrieren und mich mit ihnen zu identifizieren.  Ich hatte nicht viel Mumm, aber JoVi hat mir sehr viel weitergeholfen, sie haben mich unterstützt. Das war der erste Schritt mein Leben zu verändern.

Zuerst habe ich vor allem in Lernprozessen mitgewirkt, bei Fortbildungen der Caja Ludica oder einer Organisation von christlichen Jugendlichen. Mit 15 Jahren war ich aber auch noch so eingestellt, dass es mir gefallen hat, wenn die Leute Angst vor mir hatten. Ich habe in der Schule gemobbt, deshalb haben sie mich des Öfteren suspendiert, aber mir war das egal. Meine Familie hat mir gesagt, dass es nichts bringt sich immer schwarz zu kleiden...damals war ich ein Emo.
In Wirklichkeit glaube ich heute, dass es egal sein sollte wie sich jemand kleidet oder wie jemand aussieht. Das Wichtigste ist wie du dich verhälst, das ist das Wesentliche und  das was eigentlich zählen sollte.
Während ich an diesen Prozessen teilgenommen habe, habe ich angefangen zu verstehen, dass das was ich bisher erlebt hatte als „ Gewalt” bezichnet wird: Intrafamiliäre Gewalt, wie z.B die Schläge und Beleidungungen der Eltern, sowie auch der der Kinder gegen ihre Eltern. Auch schulische Gewalt, denn ich habe andere Schüler und Schülerinnen gemobbt, weil ich Angst hatte mich nicht selbst verteidigen zu können und ich dachte, dass ich die Stärkere sein könnte, aber am Ende war ich nur feige. Ich konnte damals keine Liebe oder Zuneigung geben. Und sexuelle Gewalt – mit 5 wurde ich vergewaltigt, mit 6 von meinem eigenen Vater, dieser hat es weiterhin versucht bis ich 17 Jahre alt wurde.


JoviDurch die Fortbildungen lernte ich Methoden kennen, diese Arten von Gewalt zu verhindern versuchen, wie z.B. Menschenrechte, Kinderrechte, oder das manches als Menschenhandel bezeichnet werden kann, dass es Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen gibt und Organisationen und Jugendorganisationen wie JoVi und alle anderen die in unserem Netzwerk der Gemeinschaftskultur und des Netzwerks für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind.
Die Kunst hat mich verändert, oder mehr als mich verändert, hat sie mich transfomiert – und zwar in etwas positives. Ich lerne meine Emotionen und Reaktionen zu kontrollieren, Verantwortung zu übernehmen, und auch, dass meine Handlungen Konseqzuenzen nach sich ziehen, dass Gewalt keine Alternative ist. Und dass Gewalt nur noch mehr Gewalt generiert.


Gewalt + Gewalt = Gewalt, Tote, Blut.


Auch Gesetze die das Tragen von Waffen erlauben, und andere Gesetze die das Schießen verbieten, finde ich kontradiktiv, denn ich frage mich dann wofür die Waffen den da sein sollen, wenn nicht zum Töten.
In Guatemala hört man Schüsse jede Sekunde, Minute, Stunde, die Ambulanzen fahren und fahren; und sogar unsere eigene Regierung verletzt unsere Rechte.


Jovenes cambiano el JuegoJetzt kann ich sagen, dass ich eine Animateurin der Gemeinschaftskultur bin, ich habe einen Matura-Abschluss in Informatik, ich studiere Theater im zweiten Semester und ich bin Absolventin einer Ausbildung zur Leitung von Jugendorganisationen.

Heute kann ich sagen, dass ich an der Verteidigung meiner eigenen Rechte arbeite, unserer Rechte. Und zu wissen, dass wir leben… und dass das Leben schön und wundervoll ist, denn JA, wir leben und wir sollten das Fest des Lebens genießen."